Die Stichting Weidegang hat die Inspektionen des Weidegangs bei den Milchviehhaltern evaluiert. Ausgehend von dieser Evaluation gelten ab 1. Januar 2020 für Milchviehhalter die folgenden Änderungen:

  1. Milchviehhalter müssen neben den Tagen, an denen die Kühe auf der Weide sind, auch die Anfangs- und Endzeit des Weidegangs am jeweiligen Tag erfassen.
  2. Milchviehhalter können die Daten maximal sieben Tage im Nachhinein ändern oder eingeben.
  3. Unangekündigte Inspektionen und neuerliche Inspektionen können nur erfolgreich beendet werden, wenn der Inspektor die Kühe auf der Weide gesehen hat. Sofern die Inspektion außerhalb der dokumentierten Weidezeit stattfindet, kommt der Inspektor zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal vorbei. Bei Milchviehhaltern mit einem automatischen Melksystem und einem System der freien Wahl für Weidegang müssen während der Weidezeit immer mindestens 75 % der Kühe auf der Weide sein.

 

Diese Änderungen bieten die Möglichkeit, die Inspektionen des Weidegangs gezielter durchzuführen.

 

Warum ist die zusätzliche Dokumentationsanforderung notwendig?

Durch die Aufzeichnung der Weidezeiten können die Inspektionen gezielter ausgeführt werden.


Kann ich den Weidegang beenden, sobald ich die 120 Tage zu 6 Stunden (oder 720 Stunden) Weidegang dokumentiert habe?

Milchviehhalter müssen pro Jahr mindestens 120 Tage mit mindestens 6 Stunden pro Tag (oder 720 pro Jahr) dokumentieren. Wir bitten Milchviehhalter, alle Weidegänge und Weidestunden zu dokumentieren. Dies verschafft dem Inspektor auch einen Eindruck davon, wie der Weidegang im Betrieb organisiert ist.


Was passiert, wenn ich am Tag der Inspektion zufällig von meinen dokumentierten Weidezeiten abweiche?

Es kann Umstände geben, weshalb Sie am Tag der Inspektion von den dokumentierten Weidezeiten abweichen, zum Beispiel das Wetter oder andere Situationen. Der Inspektor beurteilt dies unter Berücksichtigung des Gesamteindrucks vom Weidegang im Betrieb. Unangekündigte Inspektionen und neuerliche Inspektionen können nur erfolgreich beendet werden, wenn der Inspektor die Kühe auf der Weide gesehen hat. Wenn es einen gültigen Grund für die Abweichung von der Dokumentation gibt und die anderen Inspektionsaspekte für den Weidegang positiv beurteilt werden, kann der Inspektor deshalb beschließen, zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal zu kommen, um die Inspektion dann zu Ende zu bringen.


Warum darf ich meine Weidegangdokumentation nach sieben Tagen noch ändern oder die Daten dann erst eingeben? Damit verliert die Dokumentation doch ihre Aussagekraft.

Der Fokus des Milchviehhalters soll nach Meinung der Stiftung auf das Gras und die Kühe gerichtet sein und nicht auf die Verwaltung. Da Weidegang eine planmäßige Aktivität ist, bei der nicht wöchentlich und schon gar nicht täglich die Zeiten geändert werden, bekommt der Inspektor auch mit den Weidezeiten der Vorwoche einen guten Eindruck vom Weidegang im Betrieb.


Sieht sich die Stiftung nur an, ob die Kühe zum Zeitpunkt der Inspektion auf der Weide stehen?

Nein, der Inspektor sieht sich auch an, ob ein ausreichendes Grasangebot vorhanden ist, ob es im Betrieb entsprechende Weideausstattung gibt und ob es Spuren des Weidegangs wie buschiges Gras auf der Weide oder spezifische Verschmutzungen des Wegs gibt.


Warum müssen bei Roboterbetrieben mit einem System der freien Wahl mindestens 75 % der Kühe auf der Weide stehen?

Die Vorgabe der Stiftung ist, dass alle Kühe auf die Weide gehen müssen. Damit das automatische Melksystem auch während des Weidegangs benutzen werden kann, dürfen die Kühe zurück in den Stall laufen. Um feststellen zu können, ob alle Kühe auf die Weide gehen, wurde eine Grenze festgesetzt: Maximal 25 % der Kühe dürfen im Stall anwesend sein.


Können sich Milchviehhalter ohne Roboter auch für ein System der freien Wahl entscheiden?

Es ist nicht vorgeschrieben, den Zugang von der Weide zum Stall zu versperren. Bei diesen Betrieben gibt es jedoch keinen Grund dafür, dass Kühe während der Weidezeit im Stall sind, und die Ausnahme, die für Roboterbetriebe gilt, gilt daher nicht.


Habe ich immer eine zweite Chance?

Nein, wenn der Milchviehhalter nicht ausreichend nachweisen kann, dass er Weidegang nach den Richtlinien der Stiftung anwendet, hat der Inspektor auch die Möglichkeit, sofort zu vermerken, dass der Milchviehhalter die Bedingungen nicht erfüllt.


Meine Kühe sind rund um die Uhr auf der Weide. Wie muss ich meine Dokumentation ausfüllen?

Sie können alle Stunden eines Tages angeben, vielleicht mit Ausnahme der Stunden, in denen die Kühe gemolken werden.


Werden auch Trockensteher und Jungtiere berücksichtigt? Müssen alle Kühe auf die Weide gehen?

Trockensteher, Kühe in den ersten 14 Tagen nach dem Abkalben und kranke Kühe müssen nicht auf die Weide gehen.


Ist es erlaubt, die Kühe vorübergehend im Stall zu halten, zum Beispiel bei extremer Trockenheit oder Hitze? Müssen die 120 Tage aneinander anschließen?

Ja, es ist erlaubt, Kühe vorübergehend im Stall zu halten, solange der Milchviehhalter seine Milchkühe mindestens 120 Tage pro Jahr für mindestens 6 Stunden pro Tag (oder mindestens 120 Tage und mindestens 720 Stunden pro Jahr) auf die Weide lässt. Damit hat der Milchviehhalter die Möglichkeit, auf beispielsweise Trockenheit oder Hitze zu reagieren. Besonders Milchviehhalter, die früh mit dem Weidegang beginnen, haben dann noch ausreichend Möglichkeiten, um die erforderliche Anzahl der Tage und Stunden zu erreichen.